Ratgeber

So funktioniert ein dynamischer Stromtarif

EPEX Spot, Day-Ahead-Auktion, Stundentarife: Wie der Börsenstrompreis entsteht, wie dein Endkundenpreis berechnet wird und warum du einen Smart Meter brauchst.

Bei einem dynamischen Stromtarif zahlst du den aktuellen Börsenstrompreis plus einen Aufschlag deines Anbieters. Der Preis ändert sich stündlich oder viertelstündlich – im Gegensatz zu Fixpreistarifen, bei denen der Arbeitspreis über Monate gleich bleibt.

Was ist ein dynamischer Stromtarif?

Ein dynamischer Stromtarif gibt den Großhandelspreis für Strom direkt an Endkunden weiter. In Österreich handeln Stromanbieter ihren Strom an der Strombörse EPEX Spot (European Power Exchange) in der Gebotszone Austria. Der Preis, der dort täglich für jede Stunde des Folgetages ermittelt wird, bildet die Basis deines Strompreises.

Seit 2025 ist jeder österreichische Stromanbieter gesetzlich verpflichtet, einen dynamischen Tarif anzubieten.

Wie entsteht der Börsenstrompreis?

Der für dynamische Tarife relevante Preis wird in der Day-Ahead-Auktion an der EPEX Spot festgelegt:

  1. Bis 12:00 Uhr geben Stromproduzenten (Kraftwerke, PV-Anlagen, Windparks) und Käufer (Stromanbieter, Industriebetriebe) ihre Gebote ab
  2. Um ca. 12:42 Uhr werden die Ergebnisse veröffentlicht: 24 Stundenpreise für den Folgetag
  3. Bis 16:00 Uhr stellen die meisten Anbieter die Preise für ihre Kunden bereit

Der Preis bildet sich nach dem Merit-Order-Prinzip: Das teuerste noch benötigte Kraftwerk bestimmt den Preis für alle. An sonnigen Mittagen drücken PV-Anlagen den Preis, nachts und bei Wind sinkt er ebenfalls. In seltenen Fällen wird der Preis sogar negativ – dann gibt es mehr Strom im Netz als gebraucht wird.

Wie wird der Endkundenpreis berechnet?

Dein Endkundenpreis setzt sich aus mehreren Komponenten zusammen:

KomponenteBeispiel
Börsenstrompreis (EPEX Spot AT)5,2 ct/kWh (variiert stündlich)
Aufschlag des Anbieters+1,5 ct/kWh (bei aWATTar)
Netzentgeltca. 5–8 ct/kWh (je nach Netzbetreiber)
Elektrizitätsabgabe1,5 ct/kWh
Erneuerbaren-Förderbeitragca. 0,8 ct/kWh
Umsatzsteuer (20 %)auf die Summe

Beispielrechnung bei einem Börsenstrompreis von 5,2 ct/kWh: 5,2 + 1,5 (Aufschlag) + 6,5 (Netz) + 1,5 (Abgabe) + 0,8 (Förder.) = 15,5 ct/kWh netto → ca. 18,6 ct/kWh brutto.

Das Netzentgelt und die Abgaben sind unabhängig vom Anbieter und ändern sich nicht stündlich.

Warum brauche ich einen Smart Meter?

Ohne Smart Meter kann dein Netzbetreiber nicht messen, wann genau du wie viel Strom verbraucht hast. Ein herkömmlicher Ferraris-Zähler misst nur den Gesamtverbrauch.

Für einen dynamischen Tarif brauchst du:

  1. Einen Smart Meter (in den meisten österreichischen Haushalten bereits installiert)
  2. Aktiviertes Opt-In beim Netzbetreiber für die Viertelstunden- oder Stundenmessung
  3. Je nach Anbieter: Freigabe der Verbrauchsdaten an den Stromanbieter

Die Aktivierung ist kostenlos und dauert in der Regel wenige Tage. Ohne Opt-In wird dein Verbrauch nur einmal jährlich abgelesen – eine stündliche Abrechnung ist dann nicht möglich.

Ausnahme Tibber: Mit der Pulse-Hardware kann Tibber auch an digitalen und analogen Zählern den Verbrauch messen – allerdings dann nur mit monatlicher dynamischer Abrechnung statt viertelstündlich.

Wie lese ich eine Preisprognose?

Die meisten Anbieter zeigen dir am Vortag eine Preiskurve für die nächsten 24 Stunden. Typisches Muster an einem Werktag:

  • Nacht (0–6 Uhr): Niedrige Preise, oft unter 5 ct/kWh
  • Morgen (7–9 Uhr): Anstieg durch Industrienachfrage
  • Mittag (11–14 Uhr): Preissenkung durch Solareinspeisung
  • Nachmittag (14–17 Uhr): Moderate Preise
  • Abend (18–20 Uhr): Höchste Preise des Tages (Abendspitze)
  • Spätabend (21–24 Uhr): Rückgang

An Wochenenden und Feiertagen fehlt die Industrienachfrage – die Preise sind durchgehend niedriger und gleichmäßiger.

Negative Strompreise: Was bedeutet das für mich?

Gelegentlich sinkt der Börsenstrompreis unter null. Das passiert, wenn mehr Strom produziert wird als verbraucht – typisch an sonnigen, windigen Feiertagen.

Bei negativen Börsenstrompreisen verdienst du nicht automatisch Geld: Netzentgelt, Abgaben und der Anbieter-Aufschlag fallen weiterhin an. Aber dein Gesamtpreis sinkt deutlich. Je nach Anbieter und Höhe des negativen Preises kann dein Bruttostrompreis auf unter 10 ct/kWh fallen.

Dynamisch vs. variabel vs. indexgebunden

Diese drei Begriffe werden oft verwechselt:

TariftypPreisänderungGrundlageBeispiel
DynamischStündlich/viertelstündlichBörsenstrompreis (EPEX Spot)Tibber, aWATTar HOURLY
VariabelMonatlich/quartalsweiseAnbieter-KalkulationKlassische variable Tarife
IndexgebundenMonatlich/quartalsweiseÖsterreichischer Strompreisindex (ÖSPI)Diverse Anbieter
FixGar nicht (Laufzeit)VertragspreisFixpreistarife

Nur dynamische Tarife ermöglichen aktives Sparen durch Verbrauchsverlagerung. Bei variablen und indexgebundenen Tarifen ändert sich der Preis zu langsam, als dass sich ein bewusstes Verschieben von Verbrauch lohnt.

Wie berechnet sich der Preis beim dynamischen Tarif?

Der Endkundenpreis setzt sich zusammen aus dem stündlichen Börsenstrompreis (EPEX Spot AT), dem Aufschlag des Anbieters (z. B. +1,5 ct/kWh bei aWATTar), dem Netzentgelt deines Netzbetreibers sowie Steuern und Abgaben. Nur der Börsenpreis und der Aufschlag variieren je nach Anbieter.

Was ist der Unterschied zwischen EPEX Spot und EXAA?

EPEX Spot und EXAA sind beides Strombörsen. Die meisten österreichischen Anbieter nutzen den EPEX Spot AT Day-Ahead-Preis. Die Salzburg AG nutzt die EXAA. In der Praxis sind die Preisunterschiede zwischen beiden Börsen minimal.

Kann ich einen dynamischen Tarif auch ohne Smart Meter nutzen?

Grundsätzlich nicht, da ohne Smart Meter keine stündliche Verbrauchsmessung möglich ist. Eine Ausnahme ist Tibber: Mit der Pulse-Hardware kann auch an analogen und digitalen Zählern gemessen werden – dann allerdings nur mit monatlicher dynamischer Abrechnung.