Ratgeber

Erneuerbare-Energie-Gemeinschaft (EEG) in Österreich

Eine Erneuerbare-Energie-Gemeinschaft (EEG) ermöglicht es Privatpersonen, Gemeinden und Unternehmen, gemeinsam erneuerbare Energie zu erzeugen, zu teilen und dabei 57 % der Netznutzungsentgelte zu sparen. Ende 2025 waren in Österreich 5.590 EEGs und rund 1.000 BEGs in Betrieb (Quelle: energiegemeinschaften.gv.at).

Eine Erneuerbare-Energie-Gemeinschaft (EEG) ist ein Zusammenschluss von mindestens zwei Teilnehmern, die gemeinsam erneuerbare Energie erzeugen und innerhalb der Gemeinschaft verbrauchen. Rechtlich definiert im Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz (EAG §79), bieten EEGs nicht nur ökologische, sondern auch finanzielle Vorteile: Lokale EEGs sparen 57 % auf den Arbeitspreis des Netznutzungsentgelts (Quelle: Systemnutzungsentgelte-Verordnung (SNE-V) der E-Control, gültig seit 01.11.2021).

Was ist eine EEG? Definition laut EAG

Eine Erneuerbare-Energie-Gemeinschaft ist laut EAG §79 eine Rechtsform, deren Hauptzweck nicht der finanzielle Gewinn ist, sondern die ökologischen, wirtschaftlichen und sozialen Vorteile der gemeinschaftlichen Nutzung erneuerbarer Energie. Die EEG darf ausschließlich erneuerbare Energiequellen nutzen und ist geografisch auf ein bestimmtes Netzgebiet beschränkt.

Kerneigenschaften einer EEG:

  • Ausschließlich erneuerbare Energiequellen (Solar, Wind, Wasser, Biomasse, Geothermie)
  • Geografische Beschränkung auf ein definiertes Netzgebiet
  • Hauptzweck ist nicht wirtschaftlicher Gewinn
  • Offen für Privatpersonen, Unternehmen, Gemeinden und NGOs

Lokale vs. regionale EEG

Der wesentliche Unterschied zwischen einer lokalen und einer regionalen EEG liegt in der geografischen Ausdehnung — und damit direkt in der Höhe der Netzentgelt-Reduktion.

Lokale EEG

Eine lokale EEG umfasst Teilnehmer innerhalb desselben Umspannwerks (Netzebene 6/7). In der Praxis bedeutet das: innerhalb einer Gemeinde oder eines Stadtteils.

Vorteil: 57 % Reduktion auf den Arbeitspreis des Netznutzungsentgelts (Quelle: SNE-V der E-Control). Da Netzentgelte ca. 30 % der gesamten Stromrechnung ausmachen, ergibt sich eine spürbare Ersparnis.

Regionale EEG

Eine regionale EEG erstreckt sich über Umspannwerk-Grenzen hinaus, bleibt aber innerhalb einer Netzebene (typischerweise Netzebene 5). Das ermöglicht eine größere geografische Ausdehnung über mehrere Gemeinden.

Vorteil: 28 % Reduktion auf den Arbeitspreis des Netznutzungsentgelts auf Netzebene 6/7 bzw. 64 % auf Netzebene 4/5 (Quelle: SNE-V der E-Control).

Wer kann Mitglied einer EEG sein?

Mitglied einer EEG können werden:

  • Privatpersonen (Hauptwohnsitz in Österreich)
  • Kleine und mittlere Unternehmen (KMU)
  • Gemeinden und öffentliche Einrichtungen
  • Vereine und NGOs

Ausgeschlossen sind große Unternehmen, deren Hauptgeschäftszweck der Energiehandel ist, sowie börsennotierte Konzerne als dominierendes Mitglied (Quelle: EAG §79 Abs 2).

Zulässige Rechtsformen

Für die Gründung einer EEG stehen mehrere Rechtsformen zur Verfügung:

  • Verein — die einfachste und häufigste Option für kleinere Gemeinschaften
  • Genossenschaft — demokratische Struktur, geeignet für größere Gruppen
  • GmbH — wenn wirtschaftliche Aspekte stärker im Vordergrund stehen
  • Gesellschaft nach bürgerlichem Recht (GesnbR) — die einfachste Form, allerdings mit persönlicher Haftung der Gesellschafter

Details zur Gründung finden Sie in unserem Schritt-für-Schritt-Leitfaden.

Welche Energiequellen sind erlaubt?

EEGs dürfen ausschließlich Energie aus erneuerbaren Quellen erzeugen und teilen — das umfasst Strom, Wärme und erneuerbares Gas (Quelle: EAG §79):

  • Photovoltaik (häufigste Quelle in österreichischen EEGs)
  • Windkraft
  • Wasserkraft (Kleinwasserkraft)
  • Biomasse
  • Geothermie

Fossile Energiequellen (Gas, Kohle, Öl) sind in einer EEG nicht zulässig. Wer auch nicht-erneuerbare Quellen einbeziehen möchte, benötigt eine Bürgerenergiegemeinschaft (BEG).

Technische Voraussetzung: Smart Meter

Für die Teilnahme an einer EEG ist ein Smart Meter mit aktiviertem Opt-In (Viertelstundenmessung) bei allen Mitgliedern zwingend erforderlich. Die Energiezuordnung innerhalb der Gemeinschaft erfolgt auf Basis von Viertelstundenwerten — ohne diese granulare Messung ist keine korrekte Zuordnung möglich.

Mehr dazu: Smart Meter und Energiegemeinschaft und Smart Meter Portal Anmeldung

EEG vs. BEG: Unterschiede auf einen Blick

MerkmalEEGBEG
EnergiequellenAusschließlich erneuerbar (Strom, Wärme, Gas)Nur Strom (auch nicht-erneuerbar)
Geografische AusdehnungLokal oder regional (innerhalb Netzebene)Bundesweit möglich
Netzentgelt-Reduktion57 % (lokal NE 6/7) / 28 % (regional NE 6/7) / 64 % (regional NE 4/5)Keine Reduktion
PrimärzweckÖkologisch, wirtschaftlich, sozialGemeinwohlnutzen
MitgliederPrivatpersonen, KMU, Gemeinden, NGOsPrivatpersonen, KMU, Gemeinden, auch Großunternehmen (ohne Kontrolle)
RechtsgrundlageEAG §79ElWOG §16b / EU-RL 2019/944

Einen ausführlichen Vergleich finden Sie auf unserer BEG-Seite.

Koordinationsstelle und Beratung

Die offizielle Koordinationsstelle für Energiegemeinschaften bietet kostenlose Erstberatung, Musterverträge und eine Übersicht bestehender Gemeinschaften:

energiegemeinschaften.gv.at

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Wie viele EEGs gibt es aktuell in Österreich?

Ende 2025 waren 5.590 EEGs und rund 1.000 BEGs in Österreich in Betrieb, dazu kommen etwa 5.000 gemeinschaftliche Erzeugungsanlagen (GEA) (Quelle: energiegemeinschaften.gv.at).

Kann ich gleichzeitig Mitglied einer EEG sein und einen regulären Stromanbieter haben?

Ja. Die EEG deckt in der Regel nur einen Teil Ihres Strombedarfs. Den Reststrom beziehen Sie weiterhin von Ihrem regulären Stromanbieter. Die Abrechnung erfolgt getrennt und automatisch über Ihren Netzbetreiber.

Was passiert, wenn meine PV-Anlage mehr Strom erzeugt, als die EEG verbraucht?

Überschüssiger Strom, der innerhalb der EEG nicht verbraucht werden kann, wird ins Netz eingespeist. Dafür erhalten Sie den Einspeisetarif Ihres Energieversorgers oder den OeMAG-Marktpreis.

Welche laufenden Kosten hat eine EEG?

Die laufenden Kosten umfassen je nach Rechtsform Vereinsbeiträge oder Geschäftsführungskosten, Plattformgebühren für die Verrechnungssoftware und gegebenenfalls Steuerberatung. Die konkreten Beträge variieren je nach Größe und Organisationsform der EEG.

Lohnt sich eine lokale EEG finanziell?

Die 57 % Netzentgelt-Reduktion bei lokalen EEGs ist der größte finanzielle Hebel. Da Netzentgelte je nach Bundesland 200–400 € pro Jahr ausmachen können, ist die Ersparnis spürbar — besonders in Kombination mit einer eigenen PV-Anlage.

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