Ratgeber
Strompreisentwicklung Österreich 2015–2026: Historische Preise & Ausblick
Der österreichische Strompreis hat zwischen 2015 und 2026 extreme Schwankungen durchlaufen: Von stabilen 20 ct/kWh vor 2021 über bis zu 60 ct/kWh in der Energiekrise 2022 bis zurück auf 21–25 ct/kWh im Jahr 2026. Die Großhandelspreise an der EPEX Spot fielen von über 50 ct/kWh (Q4 2022) auf unter 10 ct/kWh (Q1 2026).
Der Strompreis für österreichische Haushalte liegt im März 2026 zwischen 21 und 25 ct/kWh — nach einem dramatischen Auf und Ab in den vergangenen Jahren. Während der Energiekrise 2022 zahlten Neukunden zeitweise über 60 ct/kWh, im langfristigen Vergleich sind die heutigen Preise wieder auf dem Niveau von 2020. Der Großhandelsmarkt hat sich normalisiert, aber die Netzentgelte steigen leicht. Diese Seite zeichnet die Entwicklung nach und erklärt die Ursachen.
Aktualisiert: März 2026 | Quellen: E-Control, EPEX Spot, Statistik Austria
Wie hat sich der Strompreis in Österreich entwickelt?
Die folgende Tabelle zeigt die Entwicklung auf zwei Ebenen: den Großhandelspreis (E-Control Marktpreis, Durchschnitt pro Jahr) und den typischen Haushaltspreis (brutto, inkl. aller Abgaben und Netzentgelte).
| Jahr | Großhandel Ø (ct/kWh) | Haushalt Ø (ct/kWh) | Wesentliche Entwicklung |
|---|---|---|---|
| 2015 | 3,2 | 19–21 | Stabiles Niedrigpreisniveau, Überkapazitäten im europäischen Netz |
| 2016 | 2,7 | 18–20 | Historisches Tief am Großhandelsmarkt |
| 2017 | 3,3 | 18–20 | Leichte Erholung, weiterhin stabil |
| 2018 | 4,5 | 19–21 | Moderate Anstiege durch steigende Gas- und CO₂-Preise |
| 2019 | 5,1 | 20–22 | Gebotszonentrennung DE/AT (Oktober 2018) wirkt sich aus |
| 2020 | 4,0 | 20–22 | Corona-Pandemie drückt die Nachfrage, Großhandelspreise sinken |
| 2021 | 7,8 | 21–23 | Ab Q3 explodierende Gaspreise treiben den Strompreis nach oben |
| 2022 | 33,4 | 25–60+ | Energiekrise: Neuverträge zeitweise über 60 ct/kWh |
| 2023 | 16,9 | 28–35 | Rückgang ab Jahresmitte, Strompreisbremse dämpft Kosten |
| 2024 | 8,7 | 22–28 | Normalisierung, Auslaufen der Strompreisbremse (Juni) |
| 2025 | 9,6 | 21–26 | Stabile Preise, dynamische Tarife gewinnen an Bedeutung |
| 2026 | 9,3 (Q1) | 21–25 | Leicht sinkende Tendenz bei Neuverträgen, SNAP-Rabatt ab April |
Quellen: Großhandelspreise aus dem E-Control Marktpreis (Jahresdurchschnitt der Quartalswerte). Haushaltspreise: E-Control Tarifkalkulator, Statistik Austria, Marktbeobachtung.
Einen kompakten Überblick über den aktuellen Stand findest du auf der Hauptseite Strompreis Österreich 2026.
2015–2020: Stabiles Vorkrisenniveau
In den fünf Jahren vor der Energiekrise war der Strompreis für österreichische Haushalte bemerkenswert stabil. Er schwankte zwischen 18 und 22 ct/kWh — eine Bandbreite von weniger als 4 ct/kWh über fünf Jahre.
Die Gründe für die Stabilität:
- Überkapazitäten: Europa hatte nach dem Ausbau erneuerbarer Energien und rückläufiger Industrienachfrage mehr Kraftwerkskapazität als nötig. Das hielt den Großhandelsmarkt auf niedrigem Niveau (3–5 ct/kWh).
- Günstige Gaspreise: Erdgas war vor 2021 billig und reichlich verfügbar. Da Gaskraftwerke den Preis in vielen Stunden bestimmen (Merit-Order-Prinzip), profitierten davon auch Stromkunden.
- Gebotszonentrennung 2018: Die Trennung der deutsch-österreichischen Stromgebotszone im Oktober 2018 führte zu leicht höheren österreichischen Großhandelspreisen — im Haushaltsmarkt war der Effekt aber kaum spürbar.
Für Haushalte war das eine komfortable Phase: Der Strompreis war vorhersehbar, Anbieterwechsel lohnten sich nur im kleinen Rahmen, und die öffentliche Aufmerksamkeit für Energiepreise war gering.
2021: Der Beginn der Gaspreisrally
Ab Sommer 2021 begannen die Großhandelspreise stark zu steigen. Der E-Control Marktpreis sprang von 5 ct/kWh (Q1/Q2) auf 7,8 ct/kWh (Q3) und 12,7 ct/kWh (Q4).
Haupttreiber:
- Gaspreis-Explosion: Die globale Wirtschaftserholung nach Corona trieb die Gasnachfrage hoch, gleichzeitig reduzierte Russland die Gaslieferungen nach Europa. Der Gaspreis am TTF-Hub vervielfachte sich.
- CO₂-Preisanstieg: Der europäische Emissionshandel (EU ETS) verteuerte CO₂-Zertifikate auf über 80 Euro/Tonne — ein Rekordwert, der fossile Stromerzeugung verteuerte.
- Merit-Order-Effekt: Da Gaskraftwerke in vielen Stunden den Marktpreis bestimmen, trieb der teure Gaspreis den Strompreis mit — auch wenn der Strom aus billigerer Wind- oder Wasserkraft kam. Wie dieses Prinzip genau funktioniert: So funktioniert Dynamic Pricing.
Für Haushalte blieben die Auswirkungen 2021 noch begrenzt: Die meisten hatten Fixpreisverträge, die erst bei Vertragsverlängerung angepasst wurden.
2022: Die Energiekrise — Preise auf Rekordniveau
Das Jahr 2022 markierte den dramatischsten Preisschock in der österreichischen Strommarktgeschichte. Der Großhandelspreis erreichte im Q4 2022 einen Durchschnitt von 51,5 ct/kWh — mehr als das Zehnfache des Vorkrisenniveaus.
Chronologie:
- Q1 2022: Russlands Invasion in die Ukraine (Februar) verschärft die Energiekrise. Gaslieferungen werden zum geopolitischen Druckmittel.
- Q2/Q3 2022: Großhandelspreise explodieren auf 25–30 ct/kWh im Schnitt. Einzelne Tagesspitzen über 70 ct/kWh.
- Q4 2022: Spitzenwerte am Großhandelsmarkt. Neukundenpreise bei einzelnen Anbietern über 60 ct/kWh.
Auswirkungen auf Haushalte:
- Wer einen Fixpreisvertrag hatte, war geschützt — bis zur nächsten Vertragsverlängerung
- Neuverträge und variable Tarife verteuerten sich drastisch
- Die Bundesregierung reagierte mit der Strompreisbremse (ab Dezember 2022): 10 ct/kWh gedeckelter Energiepreis für die ersten 2.900 kWh/Jahr
- Die Elektrizitätsabgabe wurde von 1,5 ct/kWh auf 0,1 ct/kWh gesenkt
Parallel dazu senkten viele Anbieter temporär ihre Aufschläge oder boten Aktionstarife an, um Kunden zu halten. Die Marktdynamik kippte erstmals seit Jahren zugunsten der Verbraucher — zumindest auf der Angebotsseite.
2023: Langsame Entspannung
Ab der Jahresmitte 2023 begann die Normalisierung. Der Großhandelspreis fiel vom Krisenniveau (Q1: 26,9 ct/kWh) auf 12,5 ct/kWh im Q4.
Treiber der Entspannung:
- Volle Gasspeicher: Europa hatte im Sommer 2023 seine Gasspeicher auf Rekordniveau gefüllt — die Angst vor Versorgungsengpässen schwand
- Milderer Winter: Unterdurchschnittliche Heizlast reduzierte die Gasnachfrage
- Erneuerbare auf Rekordhoch: Der PV- und Windkraftausbau in Europa drückte die Großhandelspreise in immer mehr Stunden
- Strompreisbremse: Für Haushalte blieb der effektive Preis gedeckelt
Die Haushaltspreise lagen 2023 im Schnitt bei 28 bis 35 ct/kWh — deutlich über dem Vorkrisenniveau, aber der Abwärtstrend war klar erkennbar. Details zur Zusammensetzung dieser Preise.
2024–2025: Normalisierung und neue Marktdynamik
Die Jahre 2024 und 2025 brachten die Rückkehr zur Normalität — mit zwei wichtigen Änderungen:
Großhandelspreise: Der E-Control Marktpreis pendelte sich bei 8–10 ct/kWh ein — ein Niveau, das zwar über dem Vorkrisentief liegt, aber stabil und für Anbieter kalkulierbar ist.
Haushaltspreise: Nach dem Auslaufen der Strompreisbremse (Juni 2024) und der Rückkehr der Elektrizitätsabgabe (Jänner 2024) normalisierte sich der Endkundenpreis bei 21 bis 26 ct/kWh.
Neue Marktdynamik — dynamische Tarife:
Seit 2025 sind alle österreichischen Stromanbieter gesetzlich verpflichtet, mindestens einen dynamischen Tarif anzubieten. Das hat den Wettbewerb belebt: Anbieter wie Tibber, aWATTar und Verbund ermöglichen es Haushalten, den stündlichen Börsenstrompreis direkt zu nutzen.
Mit einem Smart Meter und aktivem Opt-In können Haushalte seitdem aktiv von Preisschwankungen profitieren — statt sie wie in der Energiekrise nur passiv zu erleiden. Das ist ein fundamentaler Paradigmenwechsel: Vom statischen Fixpreis zum aktiven Energiemanagement.
Wo steht der Strompreis 2026?
Im ersten Quartal 2026 zeigt sich ein stabiles Bild:
- Großhandelsmarkt: EPEX Spot Austria Day-Ahead bei durchschnittlich 8–10 ct/kWh, E-Control Marktpreis Q1 2026: 9,25 ct/kWh
- Haushaltspreise: 21 bis 25 ct/kWh bei Neuverträgen, leicht sinkende Tendenz
- Netzentgelte: Im Schnitt +1,1 % (regional stark unterschiedlich: Netzentgelte 2026)
- Steuern/Abgaben: Ökostromförderbeitrag -20 % vs. 2025, Elektrizitätsabgabe unverändert (Details)
Neu ab April 2026: Der Sonnenrabatt (SNAP) bringt 20 % Rabatt auf das Netzentgelt zwischen 10 und 16 Uhr im Sommerhalbjahr — aber nur mit Smart Meter und aktivem Opt-In.
Wer noch in einem teuren Krisenvertrag aus 2022/23 steckt, kann durch einen Wechsel aktuell besonders viel sparen. Der Unterschied zwischen einem alten Krisenvertrag (30+ ct/kWh) und einem aktuellen Neuvertrag (21 ct/kWh) beträgt bei 3.500 kWh über 300 Euro pro Jahr.
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Was treibt den Strompreis langfristig?
Für die kommenden Jahre zeichnen sich mehrere Trends ab, die den Strompreis beeinflussen werden:
Preisdämpfend:
- Weiterer Ausbau von PV und Windkraft drückt die Großhandelspreise in immer mehr Stunden
- Negative Strompreise werden häufiger — gut für Nutzer dynamischer Tarife
- Steigende Effizienz bei Wärmepumpen und E-Autos reduziert den Energiebedarf pro Nutzeneinheit
Preistreibend:
- Netzausbau für die Energiewende erfordert Milliarden-Investitionen — die Netzentgelte werden tendenziell steigen
- Elektrifizierung von Verkehr und Heizung erhöht die Stromnachfrage
- CO₂-Preis im EU-Emissionshandel steigt mittelfristig weiter
Unsicherheitsfaktoren:
- Geopolitische Risiken (Gaspreise, Handelskonflikte)
- Wetterereignisse (Dürren reduzieren Wasserkraft, Kältewellen erhöhen Nachfrage)
- Regulatorische Änderungen (EU-Strommarktreform, nationale Förderpolitik)
Häufige Fragen zur Strompreisentwicklung
Wie hoch war der Strompreis in Österreich während der Energiekrise?
Auf dem Höhepunkt der Energiekrise im Q4 2022 lagen die Großhandelspreise im Durchschnitt bei 51,5 ct/kWh. Für Neukunden bedeutete das Endpreise von 50 bis über 60 ct/kWh. Bestandskunden mit Fixverträgen waren zunächst geschützt, mussten aber bei Vertragsverlängerung deutlich höhere Preise akzeptieren.
Wann hat sich der Strompreis nach der Krise wieder normalisiert?
Die Normalisierung begann Mitte 2023 und war Anfang 2024 weitgehend abgeschlossen. Im Jahr 2025 lagen die Haushaltspreise bei 21 bis 26 ct/kWh — auf dem Niveau von 2020. Die Großhandelspreise normalisierten sich bereits im Laufe des Jahres 2024 auf 8–10 ct/kWh.
Was war die Strompreisbremse und warum gibt es sie nicht mehr?
Die Strompreisbremse war ein Bundeszuschuss, der von Dezember 2022 bis Juni 2024 den Energiepreis für die ersten 2.900 kWh pro Jahr auf 10 ct/kWh netto deckelte. Sie wurde nicht verlängert, weil die Marktpreise sich weitgehend normalisiert hatten. Der aktuelle Energiepreis bei den meisten Anbietern (8–12 ct/kWh) liegt nur knapp über dem damaligen Deckel.
Wird der Strompreis 2026 oder 2027 steigen?
Die Großhandelspreise zeigen Anfang 2026 eine stabile bis leicht sinkende Tendenz. Bei Neuverträgen liegen die Haushaltspreise bei 21 bis 25 ct/kWh. Steigende Netzentgelte (vor allem regional) und ein möglicher Anstieg der CO₂-Preise könnten den Gesamtpreis mittelfristig leicht anheben. Ein Rückfall auf das Krisenniveau von 2022 ist nach aktuellem Stand sehr unwahrscheinlich.
Wie kann ich von niedrigen Großhandelspreisen profitieren?
Mit einem dynamischen Stromtarif wird der stündliche Großhandelspreis direkt an dich weitergegeben. Wer einen Smart Meter mit aktivem Opt-In hat, kann Verbrauch in günstige Stunden verlagern (Mittagssonne, Nachtstunden) und so bis zu 25 % beim Energiepreis sparen. Anbieter wie Tibber und aWATTar machen das per App besonders einfach.
Warum sind die Netzentgelte gestiegen, obwohl der Strompreis gesunken ist?
Der Strompreis besteht aus drei Blöcken: Energiepreis, Netzentgelt und Steuern. Der Energiepreis ist gesunken (Großhandelsmarkt normalisiert), aber die Netzentgelte steigen, weil massive Investitionen in den Netzausbau für die Energiewende nötig sind. Gleichzeitig sinkt der Netzverbrauch durch PV-Eigenverbrauch — die Kosten verteilen sich auf weniger Kilowattstunden.